Olivenöl Test Stiftung Warentest

Stiftung Warentest und der untaugliche Versuch eines Tests

Stiftung Warentest hat es wieder getan. Sie haben Olivenöle getestet und wieder bietet der Test mehr Raum für Kritik als die Bewertung selbst an Inhalt hergibt. Man kann dies mit Akribie machen, wie dies in bewundernswerterweise Andreas März in der renommierten Fachzeitschrift Merum immer wieder tut. Doch es darf bezweifelt werden, ob dies hilft und man muss sich viel grundsätzlicher fragen, ob die Stiftung überhaupt lernfähig ist oder vielmehr sein will. Denn ohne die Leser, die eingeladen sind an die Testergebnisse zu glauben, sind insbesondere die von der Stiftung publizierten Lebensmitteltests gar nicht denkbar. In Abwandlung des Karl Lagerfeld Zitat über Mitmenschen in Jogging Hose lässt sich sagen: Wer an den Inhalt der Zeitschrift Test glaubt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Die Betonung liegt hier auf „glauben“, denn das erforderliche Wissen über den Inhalt der Zeitschrift darf bei der Mehrheit der Leser bezweifelt werden. Viel schlimmer noch ist aber, dass bezweifelt werden muss, ob bei der Mehrzahl der Leser überhaupt Interesse besteht, es wissen zu wollen. Dies ist ja das Erfolgsrezept dieser Zeitschrift.

Nicht die Auseinandersetzung mit einem mündigen und kritischen Verbraucher ist gefragt, sondern die Schaffung eines Passepartouts zur Schaffung eines mündigen und kritischen Verbrauchers im Sinne der Stiftung. Dabei ist das Grundrezept für einen Testsieger ziemlich banal: Billig muss er sein und eben als „gut“ bewertet werden. Das gibt dem geneigten Leser insbesondere bei Lebensmitteln das sichere Gefühl wenig Geld auszugeben, aber über die gleiche Qualität zu verfügen wie Mitmenschen, die deutlich mehr ausgeben. Die Qualität steht dabei nicht im Vordergrund, sondern ob Gesetze und Verordnungen eingehalten werden. Ob die Inhalte dieser Regularien richtig sind oder einer kritischen Betrachtungsweise stand halten, wird von der Stiftung nicht hinterfragt. Schließlich finanziert sie sich über ein Budget, dass im Bundeshaushalt seinen festen Platz hat und vom Gesetzgeber zu genehmigen ist und da ist Rücksicht drauf zu nehmen. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Die Attitüde „billig und gut“ führte bereits in der Vergangenheit immer wieder zu skurrilen Testergebnissen. So wurde in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts nach der Ölkrise ein VW Polo mit anderen Autos in einen Vergleich mit dem Mercedes Vorläufer der Eklasse geschickt. Der unzumutbar billig ausgestatteter VW Polo – mit Pappmaché als Türverkleidung – hat es geschafft, den Mercedes dem Grunde nach zu schlagen. Wundert einen das? Das Fahrzeug hatte vier Räder, Motor, Scheibenwischer und Licht sowie eine geschlossene Karosse wie ein Mercedes, kostete aber nur einen Bruchteil des Mercedes. Man darf sich vorstellen, welch Balsam ein solches Testergebnis auf die Seele des Fahrers eines Kleinwagens gehabt haben muss. Verkehrssicherheit spielte da nicht die Rolle, die war ja nicht gesetzlich vorgeschrieben. Und doch – hier hat dann in der Auto-Nation Deutschland die Stiftung übertrieben, denn weitere „Autotests“ unterblieben. Bei einem anderen Test hat es ein Rieslingsekt (Fürst Metternich) in die Liga der Champagner geschafft. Das beide Getränke außer der Flaschengärung nicht viel mit einander zu tun haben, Schwamm drüber. Der Sekt ist billig und gut. Und im Jahr 2011 überraschte nicht wirklich die Zeitschrift mit folgendem Test: „Zum Weihnachtsmenü einen besonderen Rotwein gefällig? Kein Problem: test hat pünktlich zum Fest 24 trockene, markt­bedeutende Rotweine aus den wichtigsten europäischen Anbau­ländern getestet. Die Experten empfehlen Festtags­weine ab 5 Euro.“ Was sind das für Experten um Himmelswillen? Und wieder: je billiger desto besser. Und was an diesen Rotweinen besonders oder marktbedeutend sein soll, weiß allein Stiftung Warentest.

Doch was zeigen diese Tests. Es geht nicht um die Vermittlung von Wissen, schon gar nicht um Horizonterweiterung oder etwa Kultur. Es geht ausschließlich um billigen Konsum. So wundert es auch nicht, dass die Zeitschrift als staatlich subventioniertes Blatt keinerlei Kritik an der Landwirtschaftspolitik in Europa übt und schon gar nicht wird berichtet, welche Schäden bei Tier und Natur durch diese Haltung beim Lebensmittelkonsum eingetreten sind. Vielmehr ist die Stiftung mit ihren Publikationen „immer billiger“ geradezu mitverantwortlich an dieser Miesere.

Und nun noch einige Worte zum Olivenöl-Test selbst.

Im Rubrum des aktuellen Test schreibt das Blatt: „Gutes Olivenöl kostet nicht die Welt – geschmack­liche High­lights haben aber ihren Preis.“ 2017 haben sie geschrieben: „Spitzenklasse für kleines Geld gibt es nicht“ und 2018 „Von 27 Olivenöle der höchsten Güteklasse sind drei geschmackliche Highlights. Sie kosten 24 bis 36 Euro pro Liter.“

Trotz dieser Feststellungen führen aber die dem Olivenöl extra Vergine innewohnenden Inhaltsstoffe, die den Geschmack prägen, nicht dazu, dass Olivenöle auf der Grundlage dieser Qualitätsunterschiede beurteilt werden. Das führt dazu, dass ein sensorisch weit überdurchschnittliches Öl mit dem gleichen „gut“ abschließt, wie ein durchschnittliches Öl. Es wird für den Leser nicht klar, welche geschmacklichen Kriterien bei der Prüfung nach EU Olivenölverordnung Einfluss auf unterschiedlichen sensorische Ergebnisse haben. Für das Qualtitäsurteil insgesamt müssen natürlich noch so essentielle Dinge wie die richtige Etikettierung hinzukommen. Diese führt dann allen Ernstes zu einem Qualitätsurteil, das der Verbraucher zur Grundlage für eine Kaufentscheidung machen soll. Offensichtlich zahlt nach Ansicht der Stiftung Warentest der Verbraucher nicht für den besten Geschmack, sondern für die Einhaltung von Formvorschriften bei der Etikettierung. Das ist bemerkenswert. Ganz übel stößt nicht nur bei diesem Lebensmitteltest von Stiftung Warentest auf, dass die Beurteiler, in diesem Fall die für die Beurteilung herangezogene Panels, nicht benannt werden. Dies ist schlichtweg unseriös und macht den Test endgültig zu einer Farce.

Um erkennen zu können, dass in der Lebensmittelindustrie, wie beispielsweise beim spanischen Deoleo Konzern, kein gutes Olivenöl extra virgine erzeugt werden kann, muss man sich nur die Transportwege der geernteten Oliven anschauen. Bei italienischen Spitzenerzeugern von Olivenöl wird bei der Erntung der Oliven im Mehrschichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Oliven schon wenige Stunden nach der Ernte gepresst werden können und bis zur Pressung keine Oxidation an der Olivenfrucht  eintritt. Ganz anders verläuft es bei der Industrieproduktion von Olivenöl. Hier wird hunderte Kilometer entfernt in unterschiedlichen EU Ländern geerntet, das Erntegut in Lastwagen herumgekarrt und schließlich nach Tagen gepresst. Da muss ich das Endprodukt nicht mehr probieren. Die bereits vor der Pressung verdorbene Frucht hat keine Qualität mehr und die Ranzigkeit im Geschmack ist vorprogrammiert. Das ganze wird dann unter einem italienisch klingendem Namen „Bertolli“ oder ähnlichen in den Verkauf gebracht. Dieses Phänomen der fälschlichen Etikettierung ist in der Lebensmittelbranche als „Italian Sounding“ bekannt. Damit sind Produkte gemeint, die den Verbraucher über die angebliche italienische Herkunft der Produkte täuschen. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass Stiftung Warentest hier keinen Etikettenschwindel feststellt, wo doch in jedem Heft Mogelpackungen angeprangert werden, die nur dazu dienen, den Verbraucher über den wahren Inhalt zu täuschen.